Starker Mann, was nun? Doppelrolle in Familie und Beruf

Starker Mann, was nun? Doppelrolle in Familie und Beruf

Die Arbeitswelt ist ein zentraler Bestandteil im Leben eines Mannes. Neben dem Beruf gibt es aber oftmals auch noch die Familie. Die Frage nach der Vereinbarkeit der beiden Lebensbereiche Beruf und Familie rückt mehr und mehr ins Zentrum. Nicht nur die eigenen Ansprüche wachsen.
Familie zu haben ist eine wertvolle Ressource und gibt viel Freude und Energie. Aber es kostet auch Kraft: Da sich junge Väter oft noch stärker in der Verpflichtung der Existenzsicherung für die Familie sehen, intensivieren sie ihre Arbeitsbelastung nach der Geburt des ersten Kindes sogar häufig. Und auch als Paar mit kleinem Kind muss man einige Veränderungen bewältigen: Die Aufgabenteilung des Paares steht neu zur Debatte. Hinzu kommen Erziehungsfragen und das Schaffen von Freiräumen für den Einzelnen und die Zeit zu zweit. Wie ist das bei Ihnen? Fühlen Sie sich allein verantwortlich für das Familieneinkommen? Arbeiten Sie mehr, seitdem Sie Vater sind? Auch wenn sich typische Rollenverteilungen in unserer Gesellschaft langsam ändern, bleibt die Rolle des „Ernährers“ oftmals immer noch beim Mann. Diese Verantwortung kann zu einem hohen Leistungsund
damit auch Leidensdruck führen. Und ob mit oder ohne Familie: Die psychischen und sozialen Belastungen im Beruf sind oft sehr hoch – und in Phasen der Arbeits- oder Erwerbslosigkeit sogar noch höher.
Fühlen Sie sich manchmal – ob mit oder ohne Familie – überfordert und
gestresst?

Stress lass nach!
Die Ursachen für Stress sind ganz vielfältig. Und Stress ist nicht immer negativ! Deshalb ist es wichtig, „Stress“ und „Stress“ zu unterscheiden: auf der einen Seite gibt es „guten“ Stress (Eustress), der Sie fordert und zu Höchstleistungen antreibt und auf der anderen Seite den „schlechten“ Stress (Distress), der als starke und/oder dauerhafte Belastung empfunden wird und als Ursache für zahlreiche körperliche Krankheiten und Beschwerden gilt.
Ob Stress positiv oder negativ ist, hängt von Ihrer eigenen Bewertung ab: Fühlen Sie sich einer Aufgabe gewachsen, da Sie diese mit Ihren Fähigkeiten bewältigen können – oder fühlen Sie sich einer Situation nicht gewachsen oder empfinden diese gar als Bedrohung?
Distress entsteht, wenn Aufgaben als Bedrohung oder als nicht bewältigbar empfunden werden – wenn man also das Gefühl hat, „es nicht zu schaffen“ oder „nichts machen zu können“. Deshalb gibt es auch keinen allgemeingültigen Stress. Für jeden Mann ist etwas anderes „stressig“. Was stresst Sie? Unregelmäßige Arbeitszeiten und/oder Schichtarbeit? Geringe Arbeitsplatzsicherheit? Zeitdruck? Wenig Entscheidungsspielraum? Überstunden? Die Doppelbelastung Beruf und Familie? Private Sorgen? Oder Arbeitslosigkeit?
Nicht immer hat man die Möglichkeit, diese Situationen direkt zu ändern und greift zu Kompensationsmechanismen. Das Feierabendbier, Süßigkeiten und fernsehen nach getaner Arbeit sind dabei typisch. Leider zeigen diese Maßnahmen oft keinen langfristigen Erfolg. Egal was Sie stresst, je öfter oder länger Sie negativen Stress erleben, desto wichtiger ist es, dass Sie sich durch Bewegung und körperliche Aktivität stärken und Zeit für Entspannung finden. Dadurch werden Sie leistungsfähiger und fühlen sich besser und befreiter, so dass sie anstehenden Aufgaben gelassener gegenüberstehen.
Beim Umgang mit Stress hilft eine gesundheitsbewusste Lebensweise. Das heißt, dass Bewegung und Ernährung gerade in „stressigen Phasen“ von Bedeutung sind und dass Sie auf diese Weise die
Auswirkungen von Stress kompensieren können. Deshalb achten Sie, gerade wenn „alles zu viel“ zu werden scheint, auf Ihre Ernährung, rauchen Sie nicht und vor allem: Bewegen Sie sich! Sport und Bewegung lösen zwar nicht automatisch alle Probleme, leisten aber gerade im Umgang mit Stress und berufsspezifischen Belastungen einen großartigen Beitrag, denn: Bewegung macht den Kopf frei für neue Lösungswege!

Es lebe der Sport
Eine gute Nachricht: Vor allem Personen im mittleren und höheren Lebensalter profitieren von angemessener sportlicher Betätigung. Regelmäßige körperliche Aktivität leistet einen essentiellen Beitrag zur Förderung Ihrer Gesundheit und Leistungsfähigkeit. Sie haben es also selbst in der Hand! Egal ob Sie bereits Sport machen, früher gemacht haben oder jetzt erst einsteigen. Sie werden gesundheitlich davon profitieren. Dabei sollten Sie es aber nicht übertreiben!
Umfragen belegen auch im Sport eine starke Erfolgsorientierung von Männern. Männer haben nicht nur einen hohen Anspruch, Probleme selbst zu lösen, sondern wollen auch ihre Leistungsfähigkeit kontrollieren. Folge einer zu intensiven sportlichen Belastung können neben Sportverletzungen und Reizerscheinungen am Bewegungsapparat auch potenziell gefährliche Überlastungen des Herz-Kreislaufsystems, in seltenen Fällen bis hin zum „plötzlichen Herztod“ sein. Denken Sie daran, dass Sport nur so gesund ist, wie man ihn ausführt: Wenn Sie laufen gehen, sollte es nicht gleich
ein Marathon sein. Und wenn Sie Fußball spielen, geht es nicht unbedingt um die Championsleague.
Deshalb: Wenn Sie längere Zeit kaum körperlich aktiv waren, sollten Sie unbedingt vorher einen ärztlichen Check durchführen! Auch wenn Männer dazu neigen, ihren Körper als Maschine und Mittel zum Zweck sehen und der Körper durchhalten und funktionieren soll, muss auch der Körper, wie ein Auto, regelmäßig „gewartet“ werden. Man kann nicht immer Vollgas fahren. Schon gar nicht, wenn die „Inspektion“ vernachlässigt wird.

Woher nehmen und nicht stehlen?
Ein häufiges Problem in dieser Lebensphase ist die fehlende Zeit. Erkundigen Sie sich doch mal nach Betriebssport – vielleicht lassen sich Arbeit und Sport auch zeitsparend kombinieren.
Dabei geht es nicht immer nur um Sport – es geht um körperliche Aktivität an sich! Auch im (Arbeits-)Alltag können Sie etwas für sich tun. Machen Sie Bewegung zum Bestandteil Ihres Alltags. Nicht nur als Sport, sondern in Form von alltäglichen Aktivitäten wie Fahrrad- statt Autofahren, Treppensteigen statt Aufzugnutzung. Bereits bei einer halben Stunde moderatintensiver Aktivität an den meisten Tagen einer Woche zeigen sich positive gesundheitliche Effekte. Und statt einer halben Stunde können sie auch dreimal zehn Minuten körperlich aktiv sein, um gesundheitlich zu profitieren. Planen Sie doch mal ein paar „Freiminuten“ für unterwegs ein und gehen Sie zu Fuß, um sich etwas Gutes zu tun. Das können Sie auch gut mit Ihrer Familie machen, denn das stärkt die Gesundheit und fördert das Familienleben.

Mehrdimensional denken!
Hohe Leistungsbereitschaft ist fraglos eine Stärke. Sie kann allerdings gesundheitsschädigend wirken, wenn sie übertrieben wird und sich einseitig nur auf ein Ziel fokussiert. Darum sollten Sie sowohl beim Sport als auch im sonstigen Leben bedenken, dass das Geheimnis in der Vielfalt liegt. „Verrennen“ Sie sich nicht in eine Sache!
Es gibt auch außerhalb sportlicher Aktivität vielfältige Lebens- und Leistungsziele. So können Ihnen Partnerschaft und Familie, das Pflegen von Freundschaften, das Engagement in einem Ehrenamt oder die leidenschaftliche Durchführung eines „nicht-sportlichen“ Hobbies wertvolle Erfahrungen, Chancen und Ressourcen bieten und zudem zur Steigerung Ihres Wohlbefindens beitragen.
Ein toller Nebeneffekt von Sport und anderen Hobbies ist, dass dadurch neue soziale Kontakte aufgebaut oder bereits vorhandene soziale Kontakte neu belebt oder vertieft werden können. Sport bietet Ihnen die Möglichkeit zum Austausch mit Anderen. Die Verfügbarkeit eines stabilen sozialen Netzwerkes ist maßgeblich für die Lebenszufriedenheit und das Wohlbefinden von Bedeutung. Dabei ist weniger die Anzahl der sozialen Kontakte sondern vielmehr die Qualität von Bedeutung.
Ausgeglichenheit und Ausgewogenheit im individuellen Bereich sind die Grundlage für Gesundheit und Wohlbefinden. Einseitige Belastungen – ob beim Sport, im Haushalt oder am Arbeitsplatz – sind hingegen eher gesundheitsschädlich.

Quellenangabe: Auszug aus der Broschüre „Männer in Bewegung! Auswirkungen von Bewegung auf die psychische Gesundheit von Männern“ vom Bundesministerium für Gesundheit, Stand: August 2011.

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